Interview mit Peter Zens

Peter Zens und Egbert Roggentin

Peter Zens und Egbert Roggentin

Petre Zens antwortet auf Fragen von
Egbert Roggentin (Haus für Kommunikation)

Das Einkaufen von Lebensmitteln aus der Region wird immer beliebter - wie kann man es tun, wenn man zum Beispiel in einer Großstadt wie Köln lebt?

Vor allem sollte man bewusst schauen, was und wo man seine Lebensmittel einkauft. Jeder einzelne Einkauf ist gleichzeitig eine politische Entscheidung, welches System der Lebensmittelerzeugung man unterstützt, welche Anbauform von Obst und Gemüse man unterstützen will und ob man sich mit dem Einerlei der Discounter-Theke zufriedengeben möchte. Es ist nicht egal, wie Obst und Gemüse behandelt erden und wo und unter welchen Bedingungen es angebaut wurde. Nur „billig“ zählt? Oder man legt Wert auf schmackhafte, gesunde und vielfältige Lebensmittel, denen man im optimalen Fall sogar beim Wachsen zugesehen hat, auf den Feldern des Landwirtes seines Vertrauens. Um solches natürlich-gutes Obst und Gemüse zu finden, muss man gar nicht so weit in die Ferne schweifen, sondern findet diese auf den kleinen (Erzeuger-) Wochenmärkten der Stadt und vor allem in den Hofläden der Landwirte, die meist nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt angesiedelt sind. Einige Höfe bieten, wie wir auf dem Gertrudenhof, sogar auch einen Lieferservice oder eine regelmäßige Obst- und Gemüsekiste an, die dem Kunden dann sogar direkt nach Hause gebracht wird. Aber auch dazu sei gesagt: Was gibt es schöneres als den Obst- und Gemüse-Einkauf mit einem Familienausflug auf den Bauernhof des Vertrauens zu verbinden? Einen kleinen Spaziergang zu machen, entlang der Felder, auf denen das Obst und Gemüse wächst, was man dann in den Hofläden kaufen und tagesfrisch zuhause zubereiten kann.

Sie bieten eine große Zahl an Gemüse- und Obstsorten der Saison an. Warum ist Ihnen diese saisonale Vielfalt so wichtig?

Essen ist für die meisten Menschen heute mehr als nur „satt werden“: Essen ist Genuss, Lifestyle und Lebensfreude und dies viel günstiger und spannender, als das teure Auto und die exotischere Urlaubsreise. Warum immer den gleichen Salat und die immer gleiche Gemüse-(Tiefkühl-) Kost, wenn doch die heimischen Felder einen so reichen Tisch für uns decken?! Knackig frisch vom Feld sind Obst und Gemüse dann auch nicht nur optisch am schönstens anzusehen, sondern auch viel vitaminreicher, als wenn es schon einmal quer durch Deutschland, oder über die halbe Welt transportiert wurde. Das allerbeste: Der gesündere, genussvollere und aufgrund der wegfallenden Transportwege auch umweltschonendere Genuss von frischem Obst und Gemüse aus der Region ist meist sogar für den Kunden auch noch besonders günstig! Es lohnt sich also gleich mehrfach beim Blick in die Regale zu schauen, was gerade Saison hat. Und allen Skeptikern sei gesagt: Wirklich das ganze Jahr gibt es einen reichlich gedeckten Tisch von den heimischen Feldern, gerade auch dann, wenn man, wie wir auf dem Gertrudenhof, nicht nur ein paar Standartprodukte anbaut, sondern eine Vielfalt, die auch alte, teilweise schon fast längst vergessene Obst- und Gemüsearten wiederentdeckt.

Was ist das Besondere an alten Gemüse- und Obstsorten?

Alte Obst- und Gemüsesorten sind wahre Schätze, die es absolut lohnt, neu zu entdecken: Allesamt sind sie oft im Laufe der letzten Jahrzehnte verloren gegangen, weil sie nicht wirtschaftlich genug waren im Vergleich zu den Mainstream Produkten des meist engen Produktsortiments des Lebensmitteleinzelhandels.

Für denjenigen der alte Sorten sucht und findet, bringen sie nicht nur Vielfalt, Farbe und ein „Aha-Erlebnis“ auf dem Teller, sondern jede einzelne hat ihre Besonderheiten. Alte Apfelsorten zum Beispiel sind zwar meist nicht so lange lagerbar, entschädigen dafür aber oft mit einem heute fast schon vergessenen Aroma. Die lila-roten Urmöhren sind nicht so ertragreich, sind aber noch viel vitaminreicher und ebenfalls geschmacksintensiver als die gängigen orangen Möhren. Es muss eben nicht immer noch exotischer sein, nicht immer von noch weiter weg importiert sein - die eigentlichen Schätze der Küche kann man hier in den eigenen Gärten und Feldern direkt vor der Haustüre finden!

Als Landwirt haben Sie heutzutage eine andere Art zu arbeiten als die Landwirte vor Jahrzehnten. Was reizt Sie an Ihrem Beruf?

Als moderner Landwirt ist man heute gleichsam Unternehmer: Auf dem Gertrudenhof beschäftigen wir teilweise bis zu 50 Mitarbeiter im Anbau und Verkauf unseres großen Obst- und Gemüsesortimentes. Nur so und durch Kooperationen mit weiteren Partnerhöfen aus der Region lässt sich tagtäglich die große Auswahl, Frische und Vielfalt bieten, die unseren Hofladen von den Obst- und Gemüsetheken der Supermärkte unterscheidet. Jeden Tag aus den Möglichkeiten und Witterungseinflüssen ein möglichst optimales Ergebnis für die Kunden unseres Hofes herauszuholen, ist eine ganz schön spannende und immer wieder neue Aufgabe. Noch schöner und wertvoller ist es aber für mich, durch unseren Schulbauernhof tagtäglich immer wieder neu Kindern und Jugendlichen Natur und Tiere nahe zu bringen. In über 700 Führungen allein im vergangenen Jahr entstanden viele spannende Begegnungen und Erlebnisse. Wo sonst sollten die Kinder einen bewussteren Umgang mit der Natur im Allgemeinen und mit Lebensmitteln im Besonderen lernen, wenn nicht auf dem Bauernhof, auf dem das ganze Jahr gesät, gepflegt und geerntet wird und wo der Streichelzoo mit seinen über 60 Großtieren zeigt, wie schön und spannend die Natur in seiner Artenvielfalt ist? All dies ist eine spannende, abwechslungsreiche Mischung, die kaum ein anderer Beruf bietet, so dass aus dem Beruf „Landwirt“ für mich eher Berufung und Lebenseinstellung geworden ist.

Der Gertrudenhof beteiligt sich zum „Tag des Gemüses“ mit einem Hoffest am 7./8. September. Warum sind solche Hoffeste wichtig?

Zum Tag des Gemüses öffnen wir Tür und Tor auf unserem Gertrudenhof und laden ein, diesen Tag nicht nur mit uns zu feiern, sondern auch einmal bewusst hinter die Kulissen unseres Hofes zu schauen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Die spätsommerlichen Felder bieten einen herrlichen Schauplatz, dem Gemüse einmal beim Wachsen „über die Schulter zu schauen“ und den Kunden des Hofes nicht nur Neues vorzustellen und zu präsentieren, sondern auch noch einmal bewusster zu vermitteln, was wir tun und wie wir es tun.

Wenn die Besucher dann mit einem selbst geernteten Kürbis, einem Beutel frischer Äpfel und einem leckeren Rezept für ein altes Gemüsegericht vom Hof gehen, ist wieder viel gewonnen an Überzeugung, dass es sich lohnt vielleicht einmal öfter wieder selbst und mit frischem Gemüse zu kochen.